Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

„Mädels, glaubt an Euch!“

Boxerin Christina Hammer spricht über Erfolge, Motivation und Heimatgefühl

Christina Hammer (28) ist in Sontra aufgewachsen. In den letzten acht Jahren ist sie 26 Mal in den Wettkampfring gestiegen und blieb dabei ungeschlagen. Bis jetzt. Beim Titelvereinigungskampf um die Weltmeisterschaft der WBC-, WBA-, IBF und WBO musste sie sich im April gegen Claressa Shields in Atlantic City geschlagen geben. Doch schon jetzt kündigt Christina Hammer an: Ich hole mir meine Titel zurück!
Im Interview spricht sie über ihre Niederlage, ihre Vorbilder und ihre Heimatverbundenheit mit Sontra.

Frau Hammer, wie verarbeitet man eine Niederlage nach so vielen siegreichen Kämpfen?
Christina Hammer: Der letzte Kampf war natürlich enttäuschend und bitter. Ich war acht Jahre lang ungeschlagen, darauf darf ich stolz sein. Ich habe viele Menschen an meiner Seite, die mich lieben, so wie ich bin – und das hilft in so einer Situation. Auch in Amerika habe ich viel Respekt erhalten und neue Fans gewonnen. Es ist bei uns Kämpfern klar, dass man sich nicht hängen lässt, sondern weiter macht. Ich finde, das macht einen Champion aus. So eine Niederlage steckt man zwar nicht von heute auf morgen weg, aber für mich ist klar: Es geht weiter. Boxen ist meine Leidenschaft und ich werde mir meine Titel wieder zurückholen.

Haben Sie vor den Wettkämpfen ein bestimmtes Ritual?
Ja, ich ziehe immer die rechte Seite zuerst an. Also rechter Handschuh, rechter Schuh. Das mache ich immer so.

Sie wuchsen in Sontra auf, starteten dort
Ihre Boxkarriere. Haben Sie nach wie vor einen Bezug zu Ihrer Heimatstadt?
Ja, selbstverständlich – Freude und Familie wohnen noch da. Wenn ich Zeit habe, fahre ich gerne dort hin. Das mache ich regelmäßig so.

Was schätzen Sie an Sontra und dem
Werra-Meißner-Kreis besonders?
Ich liebe und genieße die Landschaft. Es ist dort viel ländlicher. Das ist für mich ein guter Kontrast zur Stadt, und ich finde Entspannung und Ruhe.

Haben Sie sportliche Vorbilder?
Wladimir Klitschko ist ein Vorbild. Er ist ein großartiger Champion und Athlet und hat sich von Niederlagen nicht unterkriegen lassen – ein Profi in jeder Situation.

Sie sind fünffache Weltmeisterin, Markenbotschafterin und Influencerin. Haben Sie sich das zu Beginn Ihrer Karriere jemals so erträumt?
Zu Beginn natürlich nicht. Aber dann habe ich sukzessive den Erfolg aufgebaut. Das ist und war viel harte Arbeit. Der Erfolg kam nicht über Nacht.

Welche Träume und Ziele stehen noch auf Ihrer Wunschliste?
„Undisputed Champion“ zu werden (Anm. der Red. Im Profiboxen wird der Titel des „unumstrittenen Weltmeisters“ demjenigen verliehen, der die Weltmeisterschaftstitel aller anerkannten Boxverbände erkämpft). Und eventuell Olympia 2020.

Welchen Tipp haben Sie für junge Frauen, die ebenfalls eine Box-(Sport-)karriere anstreben?
Mädels, glaubt an Euch! Junge Mädchen müssen an sich glauben, ehrgeizig sein, sich nichts ausreden lassen und keine Klischees akzeptieren, wie zum Beispiel, Boxen sei ein Männersport. Wenn man an sich glaubt, ehrgeizig ist und hart arbeitet, ist diese Karriere möglich

Zur Person

Ihre Karriere startete Christina Hammer mit 13 Jahren im Box-Club in Eschwege. Coach Robert Staar hat schon früh ihr Potenzial erkannt und sie gefördert. Drei Jahre Training später sicherte sie sich ihren ersten Junioren-Meistertitel und den Einstieg in die Profileague. Sie zog nach Dortmund und Trainer Dimitri Kirnos öffnete ihr die Türen zum Erfolg, denn seitdem war Christina Hammer ungeschlagen. Mehr noch: Sie ist die erste deutsche Boxerin, die in den USA einen WM-Titel verteidigt hat. Zuletzt gelang das dem deutschen Boxer Max Schmeling im Jahr 1931.
Wenn Christina Hammer nicht im Boxring steht, drückt sie die Hörsaal-Bank. An der Fernuni Hagen studiert sie Sportwissenschaften.

Auszeichnungen:
2017 – HERQUL-Award (deutscher ‚Boxoscar’) für die Beste Boxerin
2016 –BDB Female Boxer of the year
2013 –WBF und WBO fighter of the year
2011 –WBF fighter of the year