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Suedlink: Politik ruft Bürger zu Widerstand auf

Geplante Erdkabelstromtrasse durch Werra-Meißner-Kreis

Der Korridor für die Suedlink-Trasse würde eine 60 km lange und 40 m breite Schneise mitten durchs Werra-Meißner-Land schlagen. In der Region und auch überregional formiert sich der Widerstand. Foto: Schreivogel

Eine ganze Region befindet sich in Aufruhr: Suedlink heißt das Schreckgespenst, das seit einigen Wochen länderübergreifend in Hessen, Niedersachsen und Thüringen umgeht. Der Netzbetreiber TenneT plant eine 700 Kilometer lange unterirdische Stromtrasse quer durch Deutschland. Eine 380kv-Leitung soll Windenergie von der Nordsee bis nach Süddeutschland bringen. Dabei soll die Trasse entweder durchs nördliche Hessen oder durchs westliche Thüringen führen. Laut TenneT gilt die hessische Variante allerdings als Favorit – und damit ein 60 km langer und 40 m breiter Korridor direkt durch den Werra-Meißner-Kreis (WMK).
Die kürzlich gegründete Bürgerinitiative „Werra-Meißner gegen Suedlink“ befürchtet immense Auswirkungen auf Mensch und Natur: „Es gibt keine Langzeitstudien über die potentielle Strahlungsgefahr dieser Erdkabel auf Menschen, Tiere und Pflanzen“, heißt es in einem Statement der Initiative, die gemeinsam mit weiteren Suedlink-Gegnern am Ostermontag eine bundesweite Protestaktion gegen die Erdkabelverlegung veranstaltet hatte.

Die Landräte der beiden betroffenen Kreise (Werra-Meißner und Wartburg), Stefan Reuß und Reinhard Krebs, haben in einem offenen Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und seine hessischen und thüringischen Kollegen Tarek Al-Wazir und Birgit Keller gefordert, das Suedlink-Projekt aufzugeben. Durch den geplanten Ausstieg aus Atom- und Kohleenergiegewinnung hätten sich die Rahmenbedingungen inzwischen stark verändert, und eine grundsätzliche Überprüfung der Planungen sei notwendig.
Auch Dr. Rainer Wallmann, erster Kreisbeigeordneter im WMK, sieht die Erdkabelverlegung extrem kritisch. Vor allem, weil 35 Prozent der Flächen im Werra-Meißner-Kreis Natur- und Vogelschutzgebiete sind: „Wir gehen davon aus, dass ein solch massiver Eingriff nicht wieder ausgleichbar ist.“ Deshalb hofft Wallmann auf die aktive Unterstützung der Bevölkerung: „Nun gilt es, alle Gegenargumente bei der Bundesnetzagentur vorzubringen“, erklärt er und verweist auf die Möglichkeit des rechtlichen Widerspruchs gegen Suedlink. Während der Netzbetreiber TenneT die Planungsunterlagen für die Erdkabelverlegung bereits bei der Bundesnetzagentur vorgelegt hat, haben Privatpersonen und Umweltverbände noch bis zum 7. Juni die Möglichkeit, Einwendungen gegen das Projekt abzugeben. Neben Aspekten des Natur- und Umweltschutzes können auch Wohnbebauungen, Siedlungsstrukturen sowie Leitungen für Wasser, Strom und Gas als Widerstände angeführt werden.
Einwendungen können in schriftlicher Form oder elektronisch per Onlineformular abgegeben werden:
Bundesnetzagentur, Referat 804, Postfach 8001, 53105 Bonn, Betreff: Vorhaben 3, Abschnitt C und Vorhaben 4, Abschnitt C
www.netzausbau.de/beteiligung3-c oder
www.netzausbau.de/beteiligung4-c

Erste Planungen für eine überregionale Hochspannungsstromtrasse von der Nordsee nach Süddeutschland reichen etwa zehn Jahre zurück. Ursprünglich war die Trasse als Freileitung geplant. Dagegen formierte sich erbitterter Widerstand aus Politik und Bevölkerung, nicht zuletzt wegen der riesigen Masten, die der Bau mit sich gebracht hätte. Damals sprach sich die Bürgerinitiative „Keine 380kV-Freileitung im Werra-Meißner-Kreis“ für eine Erdverkabelung aus.