Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

„Laurenz hält uns auf Trab“

Deshalb bereichern Haustiere das Leben älterer Menschen

Laurenz ist schon ganz ungeduldig. Schwanzwedelnd steht der zehn Jahre alte Golden-Retriever-Rüde an der Haustür und blickt Wilhelm Roth an, als wolle er sagen: „Nun komm schon endlich!“ Der Hund weiß ganz genau: Die tägliche große Gassirunde steht bevor! „60 bis 90 Minuten gehen wir zusammen durch den Wald“, erzählt der Rentner aus Hessisch Lichtenau. „Dazu morgens und abends nochmal 30 bis 40 Minuten.“ Ob bei Schnee, Wind oder Regen: Laurenz lässt keine Ausrede gelten – schlechtes Wetter gibt es schließlich nicht, nur die falsche Kleidung. Laurenz braucht seinen täglichen Auslauf und verschafft Wilhelm und seiner Ehefrau Karla damit ganz nebenbei ein Fitnessprogramm an der frischen Luft.

Im Alter wird der Haustiertraum wahr
Für immer mehr Menschen, die das Berufsleben hinter sich haben und im Ruhestand sind, gehören Haustiere zum Alltag. Viele waren früher beruflich zu eingespannt, um sich um ein Tier zu kümmern. Nun können sie sich endlich den lang gehegten Wunsch nach einem tierischen Freund erfüllen.

Geschätzt 31 Millionen Haustiere leben in deutschen Haushalten. Rund ein Viertel der Herrchen und Frauchen sind über 60 Jahre alt und bringen damit die besten Voraussetzungen mit: Sie verfügen über ausreichend Zeit und Lebenserfahrung und sind auch immer länger körperlich fit – was wiederum nicht selten am Zusammenleben mit dem vierbeinigen oder gefiederten „Familienmitglied“ liegt.

Mobil bleiben mit Wuffi
„Schon kleine Haustiere bringen Routine und Struktur in den Alltag“, erklärt Heike Schmidt-Röger, Fachbuchautorin für das Zusammenleben mit Hund, Katze und Co. „Sie müssen gefüttert und gepflegt werden, brauchen Ansprache und suchen ihrerseits Kontakt zu ,ihren‘ Menschen. Bei Hunden kommt die regelmäßige Bewegung dazu.“ Gerade Letzteres steigert enorm die Abwehrkräfte, was auch Karla und Wilhelm Roth bestätigen: „Seit Jahren hatten wir beide keine richtige Erkältung mehr“, sagt Karla Roth mit einem Lächeln. Sie ist sich sicher: Das haben sie auch ihrem Laurenz zu verdanken, der das Paar täglich auf Trab hält.

Doch auch andere Haustiere wirken sich nachhaltig auf das Wohlbefinden aus. „Es gibt wissenschaftliche Studien, dass beim Streicheln eines Tieres im menschlichen Körper das Hormon Oxytocin ausgeschüttet wird. Dies steigert das Wohlbefinden, wirkt stressmindernd und angstlösend“, erklärt Schmidt-Röger.
Vollzeitjob Haustier
Karla und Wilhelm Roth jedenfalls können
sich ein Leben ohne ihren Hund Laurenz nicht mehr vorstellen. Er gibt ihnen auch im Ruhestand fast schon eine Vollzeitaufgabe.
Dennoch raten sie allen Interessierten, über die Anschaffung eines Haustieres vorher gut nachzudenken. Wer dann zu dem Schluss kommt, ein Tier doch nicht angemessen halten zu können, kann sich zum Beispiel auch als Hundeausführer oder Katzenbetreuer in einem Tierheim engagieren. So profitieren Mensch und Tier gleicher­maßen.

So wird’s was mit dem eigenen Haustier

Ein Haustier bedeutet Verantwortung und kann auch finanziell eine Belastung werden. Mit diesen Tipps von Dr. Hans-Jürgen Kost-Stenger, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Hessen, prüfen Sie, ob ein Haustier wirklich in Ihr Leben passt.

  • Wer sich ein Haustier zulegt, sollte vorher klären: Wieviel Zeit kann ich wirklich aufwenden, um mich um das Tier zu kümmern? Was für ein Tier lassen meine Wohnverhältnisse zu? Ist der Vermieter mit einer Tierhaltung einverstanden?
  • Es fallen Kosten für Futter, für den Tierarzt, für Impfungen usw. an. Bei Hunden kommt die Hundesteuer hinzu. Kann ich mir das leisten?
  • Schafft man sich zum ersten Mal einen Hund an, sollte das nicht unbedingt ein Welpe sein. Die Jungspunde verlangen ein hohes Maß an Mobilität und müssen erzogen werden. Nimmt man hingegen ein Tier aus dem Tierheim auf, ist meist schon durch den Vorbesitzer einiges über das Wesen des neuen Mitbewohners bekannt.
  • Auch bei Katzen ist es ratsam, ein erwachsenes Tier zu nehmen, das bereits kastriert und geimpft ist. Wohnungskatzen fühlen sich wohler, wenn sie zu zweit sind, sofern das in der Wohnung möglich ist.
  • Vor allem ältere Senioren kommen häufig mit Tieren gut zurecht, die ebenfalls schon im „Seniorenalter“ sind.
  • Ebenfalls wichtig: ein Krisenplan, der festlegt, was passiert, wenn der Besitzer zum Beispiel ins Krankenhaus muss.